7 Jahre und 7 Monate – über sieben Brücken
Heute ist unsere Frieda sieben Jahre und sieben Monate alt geworden. Und es war der schlimmste Tag, seit sie bei uns ist, der erste Tag, den wir beide ohne sie verbringen mussten.
Nachdem vorgestern das Wetter ganz fürchterlich wurde und sogar Schneeregen einsetzte, die Spaziergänge entsprechend kurz ausfielen, waren wir gestern mit Bea und Rudi mit Maya und Tine mit Lupo unterwegs. Wir machten einen schönen Gang durchs Biosphärenreservat. Lupo sammelte alle Zecken auf dem Weg ein, Maya hatte endlich ihre Läufigkeitsfolgen überwunden und sprang munter herum und tobte mit Lupo. Frieda hörte kaum auf uns, weil sie Mayas Diätfutter in Rudis Tasche viel interessanter fand als Olivia und mich. Na ja, sie machte auch ein paar Achten durch meine Beine – immer hinter der Fleischwurst her. Wir haben zusammen einen Biber beobachtet, bis der von Mayas Bellen dann doch von seinem Pappelleckerchen abließ und lieber wieder in den trüben Fluten des Kapengrabens verschwand. Bis dahin ein rundum gelungener Beagletag.
Als wir am Abend wieder zu Hause waren und Frieda ihr Abendessen bekam, geschah es leider. Ein riesiges Stück Putenflüglel, das sie sich über den Abend hinweg zu Gemüte führen sollte, verschwand in einem Sekundenbruchteil in ihrem gierigen Schlund. Obwohl unter Sichtkontrolle, schluckte sie das gesamte Teil – ein ca. 15 cm langer Knochen mit ordentlich Fleisch drumrum - in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit einfach herunter. Ich sah nur noch ihre Zunge, die genüsslich übers Maul schleckte und dann ihre Augen, die nach mehr verlangten.
Mir wurde schlecht vor Angst und in der ersten Panik googelte ich erst mal nach “Knochen verschluckt”. Folgend dann auch nach der Handynummer unseres Tierarztes. Frieda hat das gar nicht gestört und hoffte, von der in der Küche beschäftigten Olivia noch weitere Leckereien zu erhaschen. Der Feiertags-AB unseres TA verriet zwar keine Handynummer, aber doch wenigstens die Nummer des Notfallarztes, die Tierklinik in Wittenberg.
In der Folge packten wir Frieda ins Auto und fuhren also nach Wittenberg. Die TA dort war wirklich sehr nett und zunächst auch gar nicht sehr beunruhigt. Als aber Friedas Röntgenbild auf dem Monitor erschien, gab es nur ein kurzes Schlucken und der weitere Weg war vorgezeichnet. Auf dem Röntgenbild war der Putenknochen im Magen etwa so groß wie ihr eigener Oberschenkelknochen, reichte fast von der Wirbelsäule bis zu den Rippenbögen auf der Bauchseite. Da der Magen mit dem Knochen auf dem Bild senkrecht stand, sah es aus wie ein fünftes Bein in der Körpermitte. Dass dieser riesige Knochen im Magen zersetzt wird und den Verdauungstrakt passieren könnte, war absolut unwahrscheinlich. Während die zur OP-Hilfe telefonisch herbeigerufene Kollegin dazu kam, kämpfte Frieda in unseren Armen gegen die einsetzende Narkose. Irgendwann war sie überwältigt. Mit einem Holz im Fang, intubiert und herausgezogener Zunge lag sie auf dem Rücken und wurde am Bauch rasiert. Das war das letzte, was wir vorerst von ihr sahen. Unser Part war zu Ende. Vor der Klinik im Auto verlor ich erst mal meine Fassung und brach in Tränen aus. Später erhielten wir dann den Anruf, dass es leider nicht gelungen war, den Knochen mit Hilfe einer Magensonde über die Speiseröhre zu entfernen, sondern auch der Magen geöffnet werden musste.
Immerhin, heute nach dem erstmaligen Aufwachen ohne Frieda an der Seite, teilte uns die TA mit, dass es Frieda “den Umständen entsprechend” gut geht. Sie bekommt Infusion für den Flüssigkeitshaushalt und war auch schon draußen pieseln. Abgesehen davon, dass die TA das auch nicht vorgesehen hatte, haben wir Frieda nicht besucht, weil wir uns ihr in dieser Situation nicht zeigen und dann wieder verschwinden und so zurücklassen wollten. Wenn sie uns sieht, wollen wir sie auch mitnehmen und auf ihre gelbe Beaglecouch bringen – jedenfalls soweit nichts Schlimmeres dazwischenkommt.
Am Sonntagmittag soll sie erstmals Wasser bekommen und wenn das gut geht, können wir sie vielleicht am Sonntag oder Montag zurückholen. Wir werden berichten, wie es ihr geht.